Sep 14, 2021 Marcus Paula 86times

Talent am BSZ

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Amina Kamolova Amina Kamolova Amina Kamolova

Amina Kamolova besucht seit letztem Schuljahr das Wirtschaftsgymnasium des Beruflichen Schulzentrums Hechingen BSZ. Da sie es aufgrund ihrer Migrationsgeschichte schwerer als andere hat, gleichzeitig aber so begabt wie motiviert ist, wurde sie für das Stipendienprogramm „Talent im Land“ (Siehe Info) ausgewählt. Im Interview spricht sie über ihre Herkunft, ihre Erfolgsschlüssel und ihre Ziele.

Frau Kamolova, Sie stammen aus Usbekistan. Warum hat Ihre Familie Usbekistan verlassen?

Wir haben Usbekistan aufgrund der wirtschaftlichen Situation verlassen. Der Verdienst meiner Eltern hat gerade zum Überleben gereicht. Deshalb wollten wir ein neues Leben auf einem neuen Kontinent starten.

Warum war die erste Station Portugal, warum danach Deutschland?

Die erste Station war Portugal, weil meine Eltern dort Bekannte haben, die uns vom Leben in Europa erzählten. In den zehn Jahren in Portugal haben wir uns sehr gut integriert und somit auch die portugiesische Staatsangehörigkeit bekommen.
Dann sind wir, insbesondere wegen der deutschen Schulbildung sowie der noch besseren wirtschaftlichen Situation, nach Deutschland gezogen. Es war eine große Herausforderung für uns, unseren Freundeskreis in Portugal hinter uns zu lassen und nochmal eine neue Sprache zu lernen.

Wie haben Sie es geschafft, in so kurzer Zeit Deutsch zu lernen?

Den besten Rat, den ich geben kann, ist es, viel zu lesen und zu kommunizieren. Beides ist miteinander verknüpft, denn beim Lesen lernt man nicht nur neue Wörter, sondern nutzt die gelernten Wörter auch für den alltäglichen Wortschatz. Und wenn man mit anderen spricht, sollte man keine Angst haben, Fehler zu machen.

Wie motivieren Sie sich?

Ich motiviere mich mit meinen Zielen. Ich weiß, dass jeder kleine Schritt mich meinem Ziel näherbringt. Außerdem ist eine positive Einstellung ein Muss!

Sie haben Schulen in Usbekistan, Portugal und Deutschland besucht. Wie unterscheiden sich die verschiedenen Schulsysteme?

In Usbekistan und Portugal gibt es in den Schulen nicht so viele Möglichkeiten wie in Deutschland. Man muss bis zum 18. Lebensjahr in die Schule und dann kann man sich entscheiden, ob man studieren oder arbeiten will.
In Deutschland gibt es viel mehr Angebote und verschiedene Wege. Ich denke, dieses Schulsystem ist besser, da jeder den Weg wählen kann, den er gemäß seinen Lebensplänen gehen möchte!

Wie kommen Sie am BSZ zurecht?

„Aller Anfang ist schwer“, aber dank der Unterstützung meiner Lehrer komme ich mittlerweile gut zurecht. Ich erarbeite mir immer noch viel selbstständig. Wenn ich auf ein bestimmtes Thema lerne, lese ich viel dazu und mache mir Notizen. Damit weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Wie haben Sie vom Programm „Talent im Land“ erfahren?

Meine Deutschlehrerin Frau Frey hat die ganze Klasse darüber informiert. Und dann habe ich mich entschieden, mich mit Hilfe von Frau Frey zu bewerben.

Wie profitieren Sie von der Förderung durch „Talent im Land“?

Dank „Talent im Land“ kann ich meinen Bildungshorizont erweitern, Bücher kaufen, Museen besuchen, die mich interessieren, oder mich mit anderen „Talent-im-Land“-Stipendiaten austauschen, die die gleichen Interessen haben wie ich. Es ist eine unglaubliche Hilfe!

Was haben Sie für Ziele nach der Schule?

Ich möchte unbedingt Lehrerin werden, da ich schon viele Erfahrungen gesammelt habe und es würde mich freuen, diese weiterzugeben. Ich möchte Englisch, Spanisch und Mathematik studieren. An Mathematik gefällt mir, dass es eine universelle „Sprache“ ist. Es ist überall auf der Welt das gleiche Fach und macht mir viel Spaß. Aber jetzt konzentriere ich mich erstmal auf die nächsten zwei Jahre am BSZ und auf das in zwei Jahren anstehende Abitur.


Info

Da in Deutschland der Bildungserfolg junger Menschen stark von der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Eltern abhängt, unterstützt das Stipendienprogramm „Talent im Land“ begabte Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft Hürden zu überwinden haben. Finanzielle Förderung, ein begleitendes Seminarprogramm und individuelle Beratung helfen den Jugendlichen dabei, die eigenen Begabungen zu entfalten und ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Das Programm bietet eine monatliche finanzielle Förderung für Bildungsausgaben sowie Einzelzuschüsse für Klassenfahrten, Nachhilfe oder außerschulisches Engagement. Den Stipendiaten wird zudem ein vielfältiges Seminar- und Workshopangebot wie zum Beispiel in Rhetorik, Zeitmanagement, Theater, Studienorientierung und mehrtägige Sommerakademien geboten. Auch individuelle Beratung und Begleitung durch die Stiftung sowie ein Netzwerk aus Stipendiaten und Alumni sollen den Geförderten auch über den Schulabschluss hinaus helfen.
Getragen wird das Stipendienprogramm von der Baden-Württemberg-, der Robert-Bosch-, und der Josef-Wund-Stiftung.
Weiteres unter www.talentimland.de

Last modified on Dienstag, 14 September 2021 19:35
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