Dez 08, 2021 Marcus Paula 205times

Weltethos-Ausstellung am BSZ: „Kartoffeln sind für alle da“

Nicht nur Kartoffeln, auch Wasser ist für alle da und gehört nicht nur dem großen dicken Elefanten Nicht nur Kartoffeln, auch Wasser ist für alle da und gehört nicht nur dem großen dicken Elefanten

Stefan Lemmermeier, externer Mitarbeiter der „Stiftung Weltethos“ und Berufsschullehrer an der Landesberufsschule für das Hotel- und Gastronomiewesen in Bad Überkingen, führte am Beruflichen Schulzentrum Hechingen (BSZ) in die Weltethosausstellung ein, die gerade für einen Monat am Beruflichen Schulzentrum Hechingen zu Gast ist.

Initiiert wurde die Ausstellung von der Fachschaft Ethik/Religion, die auf 17 Tafeln die Bedeutung des Dialogs der Religionen und ihren Beitrag zum friedlichen Zusammenleben auf unserem Planeten ins Bewusstsein bringt: „Kein Friede unter den Nationen ohne Friede unter den Religionen! Kein Friede unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen! Kein Dialog zwischen den Religionen ohne globale ethische Standards! Kein Überleben unseres Globus‘ ohne ein globales Ethos, ein Weltethos, gemeinsam getragen von religiösen und nichtreligiösen Menschen!“, sind die zentralen Botschaften der Ausstellung.

Konzipiert wurde diese bereits vor über zwanzig Jahren unter der Federführung von Stephan Schlensog, der als Generalsekretär der Stiftung das Erbe und Hauptanliegen Hans Küngs immer wieder neu zu verwirklichen sucht. So hat in der aktuellen Fassung etwa auch das Anliegen der Nachhaltigkeitsbewegung „Fridays für Future“ Eingang gefunden.

„Der Weltfriede beginnt an unserem Tisch, wenn Menschen verschiedener Religionen und Kulturen sich auf die Suche nach dem größten gemeinsamen Nenner auf dem kleinsten möglichen Raum machen, nämlich dem Teller vor uns“, meinte Herr Lemmermeier. Ein Beispiel aus seiner täglichen Schulpraxis verdeutlichte, was er meint. Wenn Jugendliche verschiedenster Kulturen und mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen aufgefordert sind, gemeinsam ein Essen zu kochen, an dem alle teilhaben können, kann es zu Beginn schon mal zu einem prinzipiellen Klärungsbedarf der unterschiedlichen Bedürfnisse kommen. „Die einen wollen es halal, also den islamischen Vorschriften entsprechend, die anderen vegetarisch oder vegan und manche bestehen auf Braten mit Spätzle und Soß. Was kommt also auf den Teller? Hier wird die Weltethosfrage ganz konkret“, führte Herr Lemmermeier aus.

Aber nicht nur beim Kochen sollte man sich auf ein Gericht einigen, das für alle möglich ist. Auch beim Versuch, Lösungsansätze für die gegenwärtigen Weltprobleme zu entwickeln, ist es unabhängig vom kulturellen Hintergrund notwendig, sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu sprechen. Dass die Weltreligionen bei diesem Dialog einen entscheidenden Beitrag leisten können, wenn sie ihr Augenmerk auf das Gemeinsame in ihren religiösen und ethischen Traditionen richten, dafür stehe die Ausstellung „Weltreligionen, Weltfrieden, Weltethos“.
Wie es möglich werden kann, große Probleme durch gemeinsames Handeln zu lösen, veranschaulichte zum Ende der Stunde ein Märchen aus Afrika: Die widerständige Geisteshaltung und der solidarische Einsatz anderer Tiere führten schließlich dazu, dass der Alleinanspruch des großen, dicken Elefanten aufs Wasserloch gebrochen werden konnte, denn: „Das Wasser ist für alle da“. Dabei hatte es anfangs gar nicht nach einer Problemlösung ausgesehen.

Mit vielen weiteren Erfahrungen aus seiner jahrelangen Arbeit in der Gastronomie-Ausbildung zeigte Stefan Lemmermeier in seiner sehr lebendigen und anschaulichen Weise, wie sich Weltethos ganz konkret im Leben von Schülerinnen und Schülern verwirklicht.
Nachdem diese ihren Wissensdurst zu den Weltreligionen und dem Weltethos gestillt hatten, verabschiedeten sich die Klassen mit Applaus in die Mittagspause, die einen hin zu Mamas Bratkartoffeln, die anderen zu Pommes mit Ketchup – denn nicht nur Wasser und Frieden, auch die Kartoffeln sind schließlich für alle da.