Feb 11, 2022 Marcus Paula 463times

Einblick in die Praxis eines Frauenhauses

Lisa Gebhardt Lisa Gebhardt

Zwei Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Zollernalb stellten Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 des Hechinger Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums ihre Arbeit vor.

Jede vierte Frau erfährt in den eigenen vier Wänden Gewalt, etwa 70% aller körperlichen und sexuellen Gewalt findet in Deutschland nicht etwa in als bedrohlich abgespeicherten Orten, sondern in der eigenen Wohnung statt. Fakten und Zahlen, die nicht unberührt lassen, auch nicht die Schülerinnen und Schüler des Faches Sozialmanagement. Dieses kann am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium in den Profilen „Gesundheit und Biologie“ sowie „Pädagogik und Psychologie“ belegt werden. Dieses Wahlfach vermittelt einen Einblick in die Vielfalt sozialer Einrichtungen, deren Aufbau und Organisation, sowie deren Finanzierung. Auch beispielsweise Personalplanung und Personalführung gehören zum Inhalt des Bildungsplans.

Lisa Gebhardt und Ursula Sauter vom Frauenhaus Zollernalb referierten auf Einladung der Fachlehrerin Eveline Schirott zum Thema „Häusliche Gewalt“ und gaben einen Einblick in ihren vielfältigen Arbeitsalltag. „Häusliche Gewalt war und ist teilweise immer noch ein Tabuthema, doch es wird – auch durch die Corona-Lockdowns – zunehmend enttabuisiert“, stellte Frau Sauter zu Beginn fest. Zwar gelte aus rechtlicher Sicht der Grundsatz „Wer schlägt, der geht“, doch in der Realität sei dies nicht immer so klar umsetzbar. Die Frauenhausmitarbeiterinnen zeigten die unterschiedlichen Gewaltformen sowie die Folgen für Frauen und Kinder auf. „Von Außenstehenden werden wir oft gefragt, warum die Frauen denn nicht schon viel früher ihren Mann verlassen würden, doch dies ist nicht so einfach: Viele glauben, es werde wieder besser, haben Angst vor einer weiteren Eskalation, empfinden Schuldgefühle, wenn die Kinder ihren Vater verlieren würden, oder erfahren keine Unterstützung durch das Umfeld. Oftmals spielen auch wirtschaftliche Existenzängste eine Rolle“, so Lisa Gebhart.

Machen Frauen doch den Schritt ins Frauenhaus Zollernalb, werden sie und ihre Kinder von fünf Mitarbeiterinnen betreut. Geholfen wird parteilich, vertraulich und ergebnisoffen. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe“, so die beiden Mitarbeiterinnen des Frauenhauses. Bis zu acht Frauen und etwa zehn Kinder finden im Frauenhaus Platz, allerdings werden keine Frauen aus dem Zollernalbkreis aufgenommen, da man eine Nachverfolgung durch die Täter verhindern möchte. Das Tätigkeitsfeld ist weit: Gespräche über die gemachten Erfahrungen, Beratung in Erziehungsfragen, Reit- und Kunsttherapie, Ferienprogramme und natürlich leider viel Bürokratie, denn schließlich will über eine Mischfinanzierung das von einem eignen Verein getragene Frauenhaus finanziert sein.

In diesem Jahr feiert das Frauenhaus Zollernalb sein 40-jähriges Jubiläum. „Wir sind auf der Suche nach einem größeren Haus mit zwölf statt der momentanen acht Plätze“, so Frau Sauter. Trotz der schlimmen Schicksale, die im Frauenhaus Zollernalb aufschlagen, sei das Frauenhaus aber ein schöner und lebenswerter Ort, da sich hier die Frauen und ihre Kinder wieder sicher fühlen könnten, so Frau Sauter.