Mär 16, 2022 Marcus Paula 307times

Duo spielt „Faust“

Aus nächster Nähe konnte Goethes Faust erlebt werden Aus nächster Nähe konnte Goethes Faust erlebt werden

Das Theater mobileSPIELE aus Karlsruhe gastierte am Beruflichen Schulzentrum Hechingen. Schülerinnen und Schülern des Beruflichen Gymnasiums wurde in zwei Aufführungen eine überaus gelungene Interpretation von Goethes „Faust“ geboten.

Wie schon so oft steht auch dieses Jahr wieder Goethes „Faust“ als literarisches Thema im Abitur an. Da der für Jüngere altertümlich anmutende Text teilweise schwer zugänglich und in Pandemiezeiten ein Theaterbesuch schwierig ist, wurde Goethes Klassiker kurzerhand ins Klassenzimmer geholt. „Uns Deutsch-Lehrkräften fehlt der gemeinsame Theaterbesuch mit unseren Schülerinnen und Schülern. Wir sind mobileSPIELE daher sehr dankbar, dass sie an unserer Schule den ‚Faust‘ aufgeführt haben und uns allen einen über den Unterricht hinausgehenden Zugang zum Stück bieten konnten“, meinte Annette Großmann, die in einer zwölften Klasse Deutsch unterrichtet und die Aufführung für die Schule organisiert hatte.

Auch lebensgoße Handpuppen kamen zum Einsatz

Die Inszenierung des Stücks mit nur zwei Schauspielern war beeindruckend. Die Aula am Schlossberg wurde kurzerhand dank einer bedruckten Folie zum Theaterboden, mit bemalten Kulissen wurden Straßen und Natur dargestellt, ein großer Schrank diente sowohl als Bühnenbild als auch als Garderobe. Petra Ehrenberg und Tobias Schill wechselten und tauschten in rasender Geschwindigkeit ihre Rollen: Ehrenberg etwa von Gretchen zu Mephisto und Faust, Schill von Faust zu Mephisto und Famulus. Weitere Protagonisten wurden mit lebensgroßen Handpuppen dargestellt. Mit dem Einsatz einer Virtual-Reality-Brille, einer Loop-Station und eines Smartphones kamen auch gekonnt moderne Elemente zum Einsatz, die nicht nur den aktuellen Anspruch von „Faust“ unterstrichen, sondern auch die Inszenierung bereicherten. So erfuhr etwa Gretchen auf ihrem Laptop mittels Video-Call vom Schicksal ihres Bruders Valentin und Heavy-Metall-Klänge verdeutlichten Gretchens zerbrochenes Herz.

Petra Ehrenberg als Gretchen

Die Schülerinnen und Schüler konnten das Spektakel aus nur zwei bis drei Metern entfernt von den beiden Schauspielern erleben. Beide boten, was Textsicherheit, Mimik und Gestik anbelangt, eine hervorragende Leistung, zumal diese in zwei Aufführungen, vormittags und nachmittags, abgerufen wurde. So war es für alle ein kurzweiliges Vergnügen, das noch lange in Erinnerung bleiben wird, oder, um es mit Goethe zu sagen: „Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang“.

Petra Ehrenberg und Tobias Schill als Faust und Mephisto