Mai 22, 2022 Marcus Paula 149times

Rolle als Opfer unerwünscht

Kornelia Maas, Arkadij Khaet und Merle Kirchhoff (von links nach rechts) Kornelia Maas, Arkadij Khaet und Merle Kirchhoff (von links nach rechts)

Mehrere Klassen des Beruflichen Schulzentrums Hechingen konnten diese Woche den Kurzfilm „Masel Tov Cocktail“ sehen und sich danach sogar noch mit dem Regisseur Arkadij Khaet und einer der Mitautorinnen des Drehbuchs austauschen.

Die Klassen des AVduals und eine Klasse der Kaufmännischen Berufsschule machten sich auf den Weg ins Hechinger Burgtheater, um den mehrfach preisgekrönten Kurzfilm „Masel Tov Cocktail“ anzuschauen. Der Film handelt vom jüdischen Schüler Dima, der davon genervt ist, dass sich niemand eigentlich wirklich für ihn interessiert. Stattdessen reduzieren ihn alle darauf, dass er Jude ist. Als er auf dem Schulklo provoziert wird und einem Mitschüler die Nase bricht, entfalten sich verschiedene Situation, die zum einen das echte jüdische Leben in Deutschland zeigen, zum anderen deutlich machen, welchen Klischees und Vorurteilen Juden in Deutschland immer noch ausgesetzt sind. Diese führen in offene Ablehnung und zur Zuweisung einer Opferrolle, die aus einer Empathie resultiert, hinter der der eigentliche Mensch letztlich verschwindet.

Während des Films konnte man an der Reaktion der Jugendlichen erkennen, dass sie sich stark von der Thematik angesprochen fühlen und auch auf sie einlassen. Dies zeigte sich auch in der anschließenden Diskussion mit dem Regisseur Arkadij Khaet und einer Mitautorin des Drehbuchs, Merle Kirchhoff. Die Religionslehrerin Kornelia Maas, die den Kinobesuch organisiert hatte, moderierte die Diskussion. Die Filmschaffenden wiesen darauf hin, dass die meisten der heutigen deutschen Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion kommen und legten aktuelle antisemitische Spuren frei. Vor allem waren sich die Schülerinnen und Schülern darüber weitgehend einig, dass man sich wehrt, wenn man so wie im Film provoziert wird. Überraschend war dabei für viele, wie unerwünscht Juden die Rolle als Opfer ist. Dabei wurde deutlich, wie stark diese auch mit Unwissenheit zusammenhängt: Anhand vieler alltäglicher Beispiele wurde gezeigt, wie wenig die meisten heute über das jüdische Leben in Deutschland wissen und wie unsicher sich daher Juden und Nichtjuden begegnen oder nicht begegnen.