Jul 10, 2020 Marcus Paula 129times

Prüfungen in Coronazeiten

Prüfung unter Coronabedingungen am Beruflichen Schulzentrum Hechingen Prüfung unter Coronabedingungen am Beruflichen Schulzentrum Hechingen

Am Beruflichen Schulzentrum findet bereits seit zwei Wochen nach den Osterferien wieder weitgehend Unterricht nach Plan statt. Alle Klassen werden unter Coronabedingungen wieder auf dem Schlossberg und dem Schlossacker beschult. Auch die jetzige Prüfungsphase stellt die Schule dieses Jahr vor besondere Herausforderungen. Unter besonderen Rahmenbedingungen verlief die Prüfungsvorbereitung für die Pflegekräfte. Während etwa die Grundschulen erst langsam wieder zu einer neuen Realität finden, läuft in den beruflichen Schulen im Land der Schulbetrieb abgesehen von Maskenpflicht und Abstandsregelungen fast schon wieder normal. Hinzu kommen die anstehenden Prüfungen. In kleinen Gruppen schreiben und schrieben am Beruflichen Schulzentrum Hechingen fast 600 Schülerinnen und Schüler ihre Abschlussprüfungen im beruflichen Gymnasium, im Berufskolleg, in der Berufsfachschule, in der Berufsschule, in der Altenpflege und im AVdual. Meist fanden unter besonderen Bedingungen mehrere Prüfungen gleichzeitig statt: Alle Schülerinnen und Schüler kamen in die Prüfungsräume mit Maske, durften sie jedoch dann am Platz ablegen. Die Gruppen in den Klassenzimmern waren kleiner als gewohnt, die Tische standen auf Abstand. Hinzu kam noch, dass sich Schülerinnen und Schüler bedingt durch den Lockdown für einen späteren Prüfungstermin entscheiden konnten. Das alles wollte organisiert sein. Die Abteilungsleiter des Beruflichen Schulzentrums Hechingen, Herr Martin Walczok, Herr Christian Bisinger und Herr Dirk Bantleon sowie Abteilungsleiterin Frau Marion Godon hatten sich seit Wochen Gedanken gemacht, wie sie „ihren“ Schülerinnen und Schülern der bestmöglichen Prüfungsbedingungen bieten konnten. „Aufgrund der Abstandsregel mussten wir größere Gruppen aufteilen. Dies bedeutete für uns einen durch die zusätzlichen Aufsichten deutlich erhöhten Aufwand, den wir aber gerne erbrachten. Wir wollten wie immer den Schülerinnen und Schülern optimale Prüfungsbedingungen bieten“, sagte Frau Godon.

Unter nie dagewesenen schweren Bedingungen hat am Beruflichen Schulzentrum dieses Jahr die Vorbereitung der 48 Auszubildenden in der Pflege stattgefunden. Zum einen waren die Schülerinnen und Schüler wegen der Situation durch Covid 19 stark in den Einrichtungen und Pflegeheimen gefordert. Dort mussten sie von heute auf morgen mit älteren Menschen umgehen, die keinen Besuch mehr erhalten durften und besonders gefährdet sind. Positiv getestete Bewohnerinnen oder Bewohner mussten in Quarantäne betreut werden, ins Krankenhaus oder sie verstarben in der Einrichtung. „Manchmal war einfach alles zu viel, da haben sich Krankenwagen und Leichenwagen abgewechselt“, meinte eine Schülerin. Zum anderen haben sie sich so gut es eben ging, auf die Abschlussprüfung ihrer Ausbildung zum/r Altenpfleger/in vorbereitet, obwohl sie nicht mehr in das Schulhaus durften, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Viele von ihnen haben „Lerntage“ statt der Schultage von ihren Arbeitgebern bekommen, soweit es eben die Personalsituation in den Einrichtungen und bei den Pflegediensten zuließ. Während der gesamten Schulschließung gab es digitale Angebote und Unterrichtsmaterialien. Hilfreich waren für diese Klassen vor allem die persönlichen Telefongespräche mit den Klassenlehrerinnen, auch zu den Fachlehrkräften hatten sie immer wieder persönlichen Kontakt, um sich Unterstützung beim Lernen holen und Tipps für die Strukturierung des Lernstoffes zu holen. Während der theoretische Teil der Prüfung unter den Coronabedingungen normal ablief, musste beim praktischen Teil umdisponiert werden: Die praktischen Prüfungen konnten nicht in den Einrichtungen am Patienten abgelegt werden, sondern fanden in der Schule als Simulationsprüfung an Pflegepuppen statt. Schulleiter Dr. Roland Plehn freute sich, dass trotzdem alles glatt lief: „Alle Prüflinge in der Pflege waren gesund und hochmotiviert, die Prüfung zu schreiben – das ist nach den Krisenmonaten das Wichtigste. Sie haben harte Stunden, Wochen, manche sogar Monate hinter sich und trotzdem freuen sie sich auf ihren Beruf. Sie wissen, wie wichtig sie für einzelne Menschen sind und wir hoffen, dass dies von der Gesellschaft auch so wahrgenommen wird.“