Jan 15, 2020 191times

Nachhaltigkeit aus erster Hand

Dexter Marmazhira, Ariane Ruoff und Alice Blocher Dexter Marmazhira, Ariane Ruoff und Alice Blocher

Die in diesem Schuljahr neu gegründete Übungsfirma OFFROAD (Outdoor Fashion for Riding Orginals and Dogs) des Beruflichen Schulzentrums Hechingen widmet sich zurzeit intensiv dem Thema Nachhaltigkeit. Da die Patenfirma Loesdau einen Schwerpunkt im Bereich Bekleidung hat, beschäftigt man sich auch mit dem Rohstoff Baumwolle. Hierzu konnte ein Referent aus dem Baumwolle produzierenden Land Simbabwe gewonnen werden.

Dexter Marmazhira studiert Pharmazie in Heidelberg, ist aber auch für das Projekt „Grenzenlos“ des World University Services aktiv. Im Rahmen dieses Projekts werden Lehrkooperationen zu Nachhaltigkeits- und Globalisierungsthemen angeboten. Die Referenten und Referentinnen studieren an Hochschulen in Baden-Württemberg und kommen aus Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas und bringen somit neben ihren fachlichen Kenntnissen auch Lebenserfahrungen aus ihren Ländern mit. Die Wirtschaftslehrerinnen Alice Blocher und Ariane Ruoff freuten sich daher, Herrn Marmazhira als Referenten begrüßen zu können.

Als Herr Marmazhira vor vier Jahren aus Simbabwe zum Studieren nach Deutschland kam, war er verwundert darüber, wie hierzulande mit Kleidung umgegangen wird. „Die Deutschen haben sehr viel Kleidung, tragen diese aber nicht oft, bevor sie sie wieder wegschmeißen. Wenn man weiß, mit welchem Aufwand Baumwolle angebaut und Kleidung produziert wird, ist das ziemlich schockierend“, sagte Herr Marmazhira, dessen Eltern als Kleinbauern auch Baumwolle produzieren. Er zeigte den Schülerinnen und Schülern, unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen Baumwolle in Simbabwe angebaut wird. Die Planzungen brauchen sehr viel Wasser und aufgrund der Anfälligkeit für Schädlinge werden in den großen Monokulturen viele Pestizide eingesetzt. Beides wirke sich negativ auf die Gesundheit der Baumwollbauern und die Fruchtbarkeit der Böden aus. Herr Marmazhira erläuterte der Berufskolleg-Klasse weiter, welch ungeheurer Aufwand in der Produktion beispielsweise einer Jeans stecke. So habe eine Jeans, bevor sie beim europäischen Verbraucher sei, aufgrund der globalisierten Produktion eine Strecke von etwa 58.000 km zurückgelegt. Am Ende landen die Baumwoll-Produkte dann über Altkleider-Container vielleicht wieder in Afrika, wo selbst in einem Baumwolle produzierenden Land wie Simbabwe die Menschen sich neue, im Land produzierte Kleidung nicht leisten können. Ausgehend von dieser Problematik erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler Vorschläge, wie man die Ressource Baumwolle besser schonen könnte, etwa beim Kleidungskauf auf Qualität und damit Langlebigkeit zu achten.